| Geburtsbericht Cyrill 18.10.03 Achtung lang!! Mit Vorgeschichte. Bevor ich über die Geburt von Cyrill berichte, möchte ich noch etwas ausschweifen und zwar gehe ich dafür ein Jahr zurück. Am 18.10.2002 gingen Urs (damaliger Freund und heutiger Ehemann) und ich mit Freunden und Bekannten nach England für ein geschäftliches Treffen. Wir fuhren mit dem Car. Urs und ich waren zu diesem Zeitpunkt fast 4 Jahre zusammen. Wir waren gerade in sein elterliches Bauernhaus umgezogen, dass wir seit April 2002 renovierten. Zuvor hatte Urs bei mir in der Mietwohnung gewohnt. Das wir irgendwann mal heiraten und Kinder haben würden, stand eigentlich schon länger fest. Es war nur noch nicht geplant wann. Unsere Freunde fragten uns dann auf der Carreise, wann wir denn nun endlich heiraten würden, es sei an der Zeit. Urs und ich guckten uns an und dachten, recht hatten sie ja, wir müssten es nur planen. So planten wir also während der Carfahrt nach England. Wir legten das Datum fest. 21.03.03 würden wir zivil heiraten und am 22.03.03 kirchlich. Am selben Tag, also am 18.10.02 unterhielten wir uns auch über Kinder. Dem Kinderwunsch stünde ja nun nichts mehr im Wege, wir sind ja nun umgezogen, der Umbau unseres Hauses war grösstenteils erledigt (bis auf die Küche), also könnte es ja auch ein Baby geben. Ich hatte die Pille eh schon vor 2 oder 3 Monaten abgesetzt, da ich unter Lustlosigkeit gegenüber dem Sex litt, und für das musste ich die Pille ja nicht unbedingt nehmen. Und wir hatten zu diesem Zeitpunkt eh nicht viel Zeit für Zweisamkeiten durch den Umbau und den Umzug. Also für was noch Hormone schlucken?´Und siehe da, meine Lust auf Sex kehrte auch wieder zurück ohne die Pille. Wau, was für ein Gefühl, ich dachte schon, mit mir stimmt etwas nicht mehr. Und Urs tat mir schon richtig leid…….. Nun aber weiter, ich fing mich an zu informieren über eine Schwangerschaft und was es für Geburtsmöglichkeiten gibt. Alles übers Internet. Internet ist ja so was von praktisch…. Von Anfang an war mir klar, ich würde keine Spitalgeburt wollen. Ich habe eine Phobie vor dem Spital. Hm… Geburtshaus oder Hausgeburt. Hausgeburt !!! Da wir ja nun in den eigenen 4 Wänden wohnen und niemanden stören würden, hatte ich das gleich für mich beschlossen. Jetzt müsste ich nur noch schwanger werden. Mein Zyklus dauert normalerweise 34 Tage ungefähr, also schauten wir darauf, immer ungefähr in der Mitte besonders aktiv zu sein. Zuerst passierte nichts, weil ich annahm, dass der Eisprung in der Mitte statt finden würde. Am 20. Januar 2003 (+ 3 Tage) schlug es dann definitiv ein, ich hatte meine letzte Mens am 07. Januar 2003. Ich dachte zwar, dies sei zu früh für einen Eisprung, danach hatte Urs einen kleinen Unfall und war handycappiert. Gut, dachte ich, dann halt nächsten Monat….. Am 10. Februar hätte dann also meine Mens kommen sollen plus minus. Ich verspürte aber an diesem Tag so etwas wie Mensschmerzen, aber keine Mens kam. Okay, dachte ich mir, warten wir noch etwas und wenn dann nix kommt, machen wir halt einen Test. Am 13. Februar war noch immer nichts los mit meiner Mens, nur dieses komische Bauchweh und ich mochte mich kaum mehr bücken in diesen Tagen. Also bin ich losgefahren, Test gekauft, Test gemacht……. POSITIV !!! Juhui!!! Mit dem Test eilte ich zu Urs und teilte es ihm mit, er freute sich sehr. Ich freute mich zwar, aber hielt mich zurück, denn zuerst musste das Baby ja mal in meinem Bauch bleiben, hatte ja gelesen, dass die ersten 12 Wochen kritisch sind. Unsere Hochzeit war wunderschön, schade es war so schnell vorbei, soviel Vorbereitung für dieses Fest und nach einem Tag war alles vorbei. Irgendwie frustrierend. Am 09. April 2003 (13. SSW) ging ich das erste Mal zur Frauenärztin zum Kontrolluntersuch. Der erste Ultraschall wurde auch gleich gemacht, schön sein Baby zu sehen. Es wurden diverse Tests gemacht, auch dieser Bluttest, welcher auswertet, was für ein Down-Syndrom-Risiko man hat. Der Risikofaktor bei mir war 1:123. Relativ hoch für mein Alter (Jg. 1976) und keinen bekannten Fällen in der Verwandschaft. Meine Ärztin klärte mich über die Tests auf, die man machen könnte. Fruchtwasseruntersuchung, Amniozentese etc. Ich solle mir das überlegen. Super was? Da kann man ganz schön verunsichert werden. Meine Ärztin meinte zwar, dass sie es nicht glaube, dass das bei mir der Fall wäre, aber sicher war sie sich da nicht. So mussten Urs und ich uns überlegen, was denn wäre, wenn es so wäre. Klare Entscheidung, wir würden das Kind kriegen. Also für was so eine Untersuchung, wo das Risiko bestünde, das Kind zu verlieren…. Nein !!!! Ich horchte in mich herein, dieses Gefühl, das dann kam, war unbeschreiblich. Ich fühlte, dass alles in Ordnung ist mit diesem Baby in meinem Bauch. Auch hatte ich immer das Gefühl es wäre ein Junge. Urs wollte zwar lieber ein Mädchen, da er schon mit zwei Brüdern aufgewachsen war. Also hoffte ich auf ein Mädchen, doch irgendetwas in mir sagte zu mir, das es ein Junge sein würde. Namen waren auch bald ausgesucht. Das war mein Job, Urs hatte da keine Ideen. Ein Mädchen hätte Dana geheissen, ein Junge Cyrill. Mein Bäuchlein fing auch schon an zu wachsen, bald konnte ich es nicht mehr verbergen. Am 7. Mai spürte ich die ersten Bewegungen des Babies (17. SSW), es war ein Cyrill, ein Tag zuvor war ich nochmals in der Kontrolle und im Ultraschall konnte ich es selbst erkennen, dass es ein Junge war. Also hatte ich mit meinen Gefühl recht. Urs war auch nicht enttäuscht, dass es nun doch ein Junge war. Er hätte sich eben sehr auf ein Mädchen gefreut. Meine Schwangerschaft verlief bilderbuchmässig, ich fühlte mich super, nur viel müde, hatte keinerlei Beschwerden. Ab der 20. SSW konnte auch Urs die Bewegungen von Cyrill sehen und spüren und ich dachte mir du meine Güte, nun ist schon die Mitte erreicht. Nun bereitete ich Urs darauf vor, dass ich eine Hausgeburt wünschte, er hatte zwar seine Bedenken, aber ich gab ihm Informationen zu lesen. Danach war auch er überzeugt von der Hausgeburt. Nun gut, jetzt müsste mal eine passende Hebamme gefunden werden. Ich begab mich auf die Suche. Ich hatte bald einige Adressen und wurde fündig. Sie kam das erste Mal im Juli zu uns und war uns auf Anhieb sympatisch. Im August hatten wir dann einen weiteren Termin (Untersuchung) mit ihr vereinbart. In der Zwischenzeit wurde noch unsere Küche neu gemacht und die Jahrhunderthitze hatte eingesetzt. Mein Gott war das heiss!!!!! Ich lagerte literweise Wasser in meinem Körper ein, innert einer Woche nahm ich 7 Kilo zu…..ach du liebe Güte… Ich litt ganz schön unter der Hitze, ich dachte an die Hochschwangeren, die taten mir richtig leid. Inzwischen besuchte ich wöchentlich einen Schwangerschaftgymnastikkurs. Der machte Spass und tat wohl. Ich war sehr oft müde, vor allem machte mich die Arbeit im Büro fast wahnsinnig, zum Glück arbeitete ich nur 80 %, aber das ewige Sitzen war nun richtig Gift geworden, die Beine schmerzten und nachmittags hätte ich nur noch schlafen können. Und dann waren die Räume nicht mal klimatisiert. Im August kam meine Hebamme wieder für einen Untersuch. Sie bemerkte natürlich meine immensen Ödeme, um die sich meine Ärztin auch schon grosse Sorgen machte wegen einer allfälligen Schwangerschaftsvergiftung. Meine Hebamme schrieb mich zu 50 % arbeitsunfähig, war darüber nicht unglücklich ehrlich gesagt. Nach zweieinhalb Wochen ging ich nochmals zur Ärztin, die schrieb mich gleich 100 % arbeitsunfähig, weil sich mein Gebärmutterhals stark verkürzt hatte und der Kopf schon sehr tief sässe. Um eine Frühgeburt zu vermeiden, sagte sie mir. War sehr dankbar dafür, denn diese Mörderhitze hielt an und in unserem Haus im Erdgeschoss war es immer wunderbar kühl, richtig angenehm.Nun bekam ich richtig dicke Schwangerschaftsstreifen, obwohl wir fleissig ölten und salbten, leider, aber anscheinend bekommt das ja jede zweite Frau. Beruhigend. Wir sehnten dem 23. September entgegen, dann würde Cyrill nicht mehr als Frühgeburt gelten und ich dürfte zu Hause gebären. Das Spital in Winterthur besichtigen wir trotzdem, denn falls ich unter der Geburt dahin müsste, wollte ich mich doch vorher mit dem Spital vertraut machen, obwohl mir der Gedanke zuwider war. Ein Vaginalabstrich im September bei meiner Hebamme ergab leider, dass ich Streptokokken B Trägerin bin, das würde bedeuten, dass ich 18 Stunden nach Blasensprung intravenös Antibotika erhalten müsste, denn sonst könnten diese Streptokokken B Erreger Cyrill schädigen. Und die Antibotikaeingabe intravenös ist leider nur im Spital möglich. Ich hatte natürlich riesige Angst davor und stellte mir immer wieder eine schnelle Geburt mit nicht allzuschnellem Blasensprung vor. Wir versuchten die Erreger zu behandeln mit Vagifloor und Naturjoghurt, doch leider brachte das nichts. So konnten wir nur hoffen….. Die Wasseransammlungen in meinem Körper nahmen zu, ich wog nun ca. 98 Kilo !!!! Den Bauch habe ich weit nach vorne getragen, mein hohles Kreuz wurde begünstigt. Ein Stützgurt verschaffte mir Linderung. Es war zum Glück ja nun kühler geworden, doch langsam kam ich mir vor wie eine Tonne mit all dem Gewicht. Im Bett konnte ich mich kaum mehr drehen, es war einfach alles sehr mühsam. Cyrill strampelte fleissig in meinem Bauch, er war sehr lebhaft, vor allem in den Abendstunden. Manchmal schmerzten mich seine Bewegungen auch sehr. Oft hatte er auch Schluckauf, welcher sich ganz schön eklig anfühlen konnte, je nach Lage von Cyrill. Hatte dann auch noch ne eklige Blasenentzündung eingefangen, jede Bewegung in der Schamregion von Cyrill schmerzte unglaublich. Doch nach ein paar Tagen war die Sache gegessen. Zum Glück!!! Uff der 23. September war nun erreicht, also konnte er ja nun kommen. Am 26. September holten wir noch den Gebärpool in Andelfingen ab. Urs und ich besuchten da auch noch einen Schwangerschaftskurs. Zuerst wollte ich ja nicht gehen, da ich es eigentlich für unnötig hielt, doch schaden konnte es ja nicht und vielleicht würde man noch ein paar nette Leute kennenlernen. Was auch so war, der Kurs war schlussendlich sehr informativ und interessant, würde ihn heute nicht mehr missen wollen. Vorallem die erlernte Atemtechnik half mir später unter der Geburt. Tja so verging die Zeit, die Leute fingen an zu fragen, ob das Baby schon da sei, obwohl ich den errechneten Geburtstermin um zwei Wochen nach hinten verschob, der Geburtstermin war übrigens der 14. Oktober (bis 17. Oktober). Die Fragerei nervte manchmal ganz schön, aber ich nahm es gelassen. Etwas bekümmerte mich, und zwar meine Schwiegermutter. Die war vehement gegen eine Hausgeburt. Sie benutzte Wörter wie fahrlässig etc. Ich tat dann einfach so, als würde ich dann doch ins Spital gehen. Da sie hier auf unserem Hof noch einen Garten hat, kam sie ab und zu und schaute danach. Meine Sorge war nun, dass sie genau dann hereinplatzen würde, während ich unter der Geburt war.´Urs unterstützte den Wohnzimmerboden noch mit zwei Spriesswinden, denn der Pool plus 3 Personen würden doch etwa 850 Kilo ausmachen und prompt entdeckte das meine Schiegermutter. Zum Glück hatte sie es nicht gemerkt, aus welchem Grund die da standen. Puuuuhhhh….. Eine Kollegin von mir war auch schwanger, ihr errechneter Geburtstermin war der 07. Oktober, wir witzelten immer darüber wer wohl schneller sein würde…. Tja, sie war die schnellere. Am 30. September gebar sie dann bereits. Wir gingen sie am 1. Oktober besuchen. Ich wurde schon fast eifersüchtig, weil sie ihren Kleinen schon in den Armen halten konnte und ich nicht, ich durfte ihn halten. Das war ja ein lustiges Bild, Babybauch und Baby im Arm. Ich bekam nun auch Vorwehen, sie waren nicht schmerzhaft, doch in regelmässigen Abständen zog sich meine Gebärmutter zusammen. Ganz hart wurde sie. War lustig anzusehen. So vergingen die Tage (mit diesen Vorwehen), meine Freundin Martina löcherte mich, ob ich noch nicht den Putzwahn (Nestinstinkt) hätte. Doch ich verspürte nichts. Ich wollte einfach sonst alles in Ordnung habe. Da ich ja viele Tiere habe, wollte ich im Stall alles in Ordnung wissen. Ich baute und nagelte noch viele Schlafhäuschen für die Tiere zusammen, so dass sie für die kommenden kalten Tage sich darin wärmen konnten. Nun war der 13. Oktober gekommen, die Woche des Geburtstermins. Am 14. Oktober war ich noch bei meiner Hebamme zum Untersuch. Alles in Ordnung. Muttermund war noch nach hinten gerichtet. Meine Hebamme schickte mich zur Akupunktur. Ging ich dann auch am 16. Oktober. Es war eine lustige Woche. Urs und ich sagten noch zueinander, es wäre schön, wenn Cyrill am kommenden Wochenende geboren würde. Denn am 13./14. Oktober musste Urs noch seine Felder bestellen, und ich hatte auch noch einiges los bis und mit Freitag, wäre also ziemlich ungünstig gewesen, wenn Cyrill unter der Woche gekommen wäre. So langsam aber sicher hatte ich die Nase nun voll von der Schwangerschaft, im Bett war es mühsam sich zu drehen, es war einfach alles voll mühsam, ich wurde richtig „unverträglich“. Dies sei wohl ein Zeichen, dass es bald losgehen würde. Am Donnerstag (16.10.03) hatte ich diesen klaren Fluss in meinem Slip, ein weiterer Vorbote. Ich war noch fleissig unterwegs an diesem Tag, unter anderem in der Akupunktur. Die tat gut und sollte auch noch geburtsfördernd sein.Und der Freitag erschien mir sehr komisch irgendwie. Ein Tag wie die Ruhe vor dem Sturm. Ich sagte zu Urs noch, es sei höchste Zeit den Gebärpool im Wohnzimmer aufzustellen, ich hätte das Gefühl, dass es bald losginge. Ich habe dann noch schnell eine Kliniktasche gepackt für den Fall der Fälle. Es wurde spät, Urs hatte den Pool teilweise zusammengesetzt und ich war nicht gut drauf. Wir gingen zu Bett, ich erwachte erstaunlicherweise erst um 05.30 Uhr. Sonst erwachte ich die Wochen und Tage zuvor immer um ca. 03.00 Uhr um dringend auf die Toilette zu gehen. Aber an diesem Morgen, es war ja nun der 18. Oktober 2003 erwachte ich erst so spät mit dringendem Harndrang. Oh was sehe ich denn da, klarer Schleim mit etwas Blut !?!?! Na dann geht es wohl so langsam aber sicher los. Schnell ins Schlafzimmer Urs wecken. Ich sagte ihm, er solle nun schleunigst den Pool fertig bauen, denn es würde wohl heute losgehen. Urs war sofort 100 % da und wach. Wir machten Kaffee und assen ein Joghurt. Es war nun ca. 06.00 Uhr. Ich ging nach draussen, es war dunkel und kalt, doch die frische Luft tat gut. Nun spürte ich doch ein Ziehen am Muttermund. Das war wohl eine kleine Wehe????? So ging es weiter im 3-4 Minuten Abstand. Das Ziehen wurde stärker, war aber gut auszuhalten. So verging eine Stunde, der blutige Schleimabgang, das Zeichnen also, wurde auch immer stärker. Da tat sich wohl ganz schön was an meinem Muttermund, dachte ich mir. Um 07.00 Uhr rief ich meine Hebamme an und teilte ihr die Geschehnisse mit. Sie fragte nach den Abständen und ich schätzte sie so auf 3-4 Minuten, eine Wehe hielt so ca. 30 Sekunden an. Sie riet mir dann noch in die Badewanne zu gehen. Sie würde wenn es mir recht sei, so um 11.00 Uhr kommen, wenn ich sie früher bräuchte, solle ich sie wieder anrufen. Ich war die Ruhe selbst. Der Pool war nun fertig gebaut. Alles war an seinem Platz. Urs und ich haben dann noch wie die Irren aufgeräumt, gestaubsaugt, staubgewischt etc. etc. Urs ist dann an meiner Stelle die Tiere füttern gegangen. Die Zeit verging wie im Flug. Die Wehen wurden stärker und ich spürte, dass sich mein Darm noch nicht entleert hatte, denn bei jeder Wehe drückte es auf meinen Darm, das war schmerzhaft. So verbrachte ich eine halbe Stunde auf dem WC und kämpfte, dass sich mein Darm entleeren würde. Ich brachte etwas Stuhl heraus, er war hart, es war sehr mühsam. Doch etwas erleichtert fühlte ich mich nun doch. Die Wehen waren nun regelmässig so alle 2-3 Minuten und hielten 40 Sekunden an. Ich lag dann noch in die Badewanne und entspannte mich etwas. Ich spürte die Wehen vor allem durch ein starkes schmerzhaftes Ziehen an meinem Muttermund mit starkem Druck auf den Darm. Es wurde mir bald zu eng in der Badewanne und unangenehm im Liegen. So veratmete ich die nächsten Wehen im Schlafzimmer und im Büro im Stehen, die Hände auf dem Tisch abstützend. Ich versuchte nun die passende Atemtechnik zu finden. Ich hatte etwas Mühe damit, denn ich hatte zu schnell die Luft immer raus, und dann überkam mich der Schmerz. Einatmen – ausatmen mit aaaaaaahhh, das funktionierte irgendwie nicht. Kniend habe ich es dann noch versucht, doch durch meine Wassereinlagerungen in den Beinen wurde auch das unangenehm. Ich schickte Urs noch zum Einkaufen ins nahe gelegene Einkaufszentrum, er meinte besorgt, ob ich es denn alleine schaffen würde ohne ihn. Ich war immer noch ganz locker und meinte, er solle JETZT gehen, denn nachher bräuchte ich ihn bestimmt. Es war mir ganz wohl eigentlich einen Moment alleine zu sein. So konnte ich mich in Ruhe auf die immer stärker werdenden Wehen einstellen. Ich fand bald heraus, dass ich beim ausatmen anstatt mit aaaahhh zu tönen, mit uuuuuuhhh besser zurecht kommt. Die Lippenbremse funktioniert so viel besser und ich hatte einfach mehr Luft, so wurden die Wehen erträglich, der Schmerz am Muttermund war auszuhalten, wäre nur nicht dieser elende Druck auf den Darm gewesen bei jeder Wehe. Um es zu beschreiben…. Hm, das ist wohl so, wie wenn man eine Woche lang nicht mehr stuhlen konnte, dann müsste man dringend stuhlen, doch der Ausgang ist verstopft. So in der Art. Au weja, das konnte so ja noch heiter werden, dachte ich mir. Doch ich nahm jede Wehe an ohne mich gegen sie zu sträuben. Ich dachte manchmal während einer Wehe, würde ich so was nochmals machen??? In diesem Moment wohl eher nicht. Urs kam bald wieder, um 09.40 Uhr war er wieder da. Er verräumte die Sachen und versuchte mich zu unterstützen. Kurz vor 11.00 Uhr schaute ich noch bei meinen Tieren vorbei um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war. Dann ging ich wieder ins Haus. Meine Hebamme kam auch bald und wollte mich natürlich untersuchen. Nach einer Wehe musste ich mich hinlegen und sie untersuchte mich vaginal. Ich dachte mir, wie viel würde der Muttermund wohl auf sein und erhoffte mir nicht zuviel, da man ja sagt, Erstgebärende…. das dauert eine Weile… Doch ich hatte schon 4 cm, erfreulich, hoffentlich geht das so weiter, dachte ich mir. Ich erzählte meiner Hebamme von den vergangenen Stunden und sie fragte mich ob ich denn gerne einen Einlauf hätte. Gerne nicht, antwortete ich, aber wenn allenfalls der Druck auf den Darm weniger würde, gerne ja!So machte sie mir einen kleinen Einlauf, mann war das ekelhaft anzufühlen…. Igittigitt. Doch es tat gut, es kam doch noch etwas Stuhlgang, nicht viel aber immerhin. Die Herztöne von Cyrill waren super, auch unter den Wehen. Um ca. 11.30 Uhr liess Urs das Wasser in den Gebärpool ein, wohl temperiert auf 37 Grad mit Meeressalz. Um 12.00 Uhr stieg ich dann in die Wanne. Die Fenster im Wohnzimmer haben wir mit Windeltüchern verhängt, so dass von aussen nicht so offensichtlich war, was da drinnen sich abspielte. Aber wir haben eh nur eine Nachbarsfamilie, die an diese Fenster sehen können. Hin und wieder kam mir die Schwiegermutter in den Sinn und dass sie bloss nicht kommen solle jetzt. Im Pool war es angenehm warm und entspannend. Meine 98 Kilo wurden vom Wasser schön getragen, ich übte verschiedene Positionen und wehte vor mich hin. Hinsetzen konnte ich mich überhaupt nicht, mein Darm hätte das nicht verkraftet, bei jeder Wehe war dieser elendige Druck da, als müsste man oberdringend stuhlen und es geht einfach nicht. Nach wie vor spürte ich auch den Schmerz am Muttermund bei jeder Wehe, doch mit meiner Atemtechnik hatte ich alles gut im Griff. Um 12.15 Uhr fühlte ich etwas warmes in meiner Scheide, war das wohl Fruchtwasser??? Es war schwierig festzustellen, doch die Geburt ging vorwärts. Meine Hebamme war sehr zufrieden mit mir, ich würde das super machen. Ich fühlte mich wohl in ihrer Anwesenheit, sie störte mich überhaupt nicht, sie forderte mich auf die Stellung zu wechseln, auch mal aufzustehen, das gefiel mir aber gar nicht, wollte sofort wieder ins warme Wasser. Doch meine Hebamme meinte, manchmal sei so etwas gut um die Geburt zu beschleunigen. Sie hörte auch immer mal wieder die Herztöne von Cyrill ab, die waren immer super. Zwischen den Wehen konnte ich mich immer sehr gut erholen, wir quatschten frischfröhlich bis zur nächsten Wehe, und die kamen nun wirklich immer schön im 2 Minuten-Takt und hielten 40 – 60 Sekunden an. Eine Wehe kam, stieg langsam an zu einer Spitze und flachte dann wieder ab. Ich war immer noch locker und entspannt. Ich kniete nun und hielt mich an Urs Armen fest. Der war ganz überrascht, denn er hätte erwartet, dass ich ihn unter den Wehen fest anpacken würde, wie er mir nach der Geburt erzählte. Auch hätte ich mein Gesicht nie „verzerrt“ vor Schmerz. Meine Hebamme untersuchte mich ein weiteres Mal vaginal und meinte nun, ich könne mitpressen wenn ich den Drang verspüre. Ich dachte mir, na hoppla jetzt schon, und als die nächste Wehe kam, bekam ich im Bauch auch so ein komisches Drücken zu spüren, wo ich einfach mitdrücken musste. Im Kurs haben wir gelernt, dass beim Pressen, also beim Ausamten ein tttschschsch beim Schieben mithilft, so hab ich dann ausgeatmet, konnte es fast nicht glauben, dass ich nun schon soweit war so schnell. Der Pressdrang wurde stärker, meine Hebamme meinte ich solle ruhig auch mal die Luft anhalten und so richtig pressen. Das tat ich auch bei der nächsten Wehe und irgendwann machte es in mir drin „PÄNG“, aha, das war wohl definitiv die Fruchtblase…. Aaaaaahhh war das eine Erlösung, diese Fruchtblase hatte mir doch so auf den Darm gedrückt, der Druck war zwar immer noch da, aber nicht mehr so schlimm. Ich spürte beim Pressen, wie der Kopf von Cyrill nach unten wanderte. Nach jeder Presswehe rutschte sein Kopf aber wieder zurück, das fand ich irgendwie frustrierend, bis meine Hebamme meinte, das sei normal, dafür würde bei der nächsten Presswehe der Kopf wieder weiterkommen. Von nun an ging alles sehr schnell. Denn Kopf spürte ich nun schon beim Ausgang, meine Hebamme meinte nun, ich solle den Pressdrang verhecheln wegen meines Dammes. Sie drückte mit ihren Fingern gegen meinen Damm um ihn zu schützen. So versuchte ich Cyrills Kopf langsam nach draussen zu schieben, was mir eigentlich ganz gut gelang. Ich spürte, dass Cyrills Kopf zur Hälfte geboren war. Die Scheide brannte von dem Zug und der Dehnung. Meine Hebamme sagte zu Urs, wenn er wolle, könne er nun den Kopf fühlen, er berührte ihn. Eigentlich wollte ich ihn auch berühren, aber ich hätte es nicht geschafft mit der Hand nach unten zu langen, ich hätte einen längeren Arm gebraucht. Ich spürte den Schweiss auf meiner Stirn von der Anstrengung, Urs tupfte mir liebevoll das Gesicht mit einem kühlen Waschlappen und versorgte mich mit Flüssigkeit. Nun kam die 10. Presswehe, die war so gewaltig und überwältigend, ich versuchte sie noch zu verhecheln, damit der Kopf langsam das Gewebe dehnen konnte, doch nix da, ich konnte sie nicht mehr aufhalten, ich bekam einen gewaltigen Drang zu pressen und dann war es zu spät…. Flutsch und Cyrill war draussen, es kam mir vor als wäre er wie ein Pfeil aus mir rausgeschossen gekommen. Uff !!!! Es war geschafft. Unglaublich. Meine Hebamme half mir in die Sitzposition und fädelte Cyrill zwischen meinen Beinen hervor. Sie musste ihn zuerst von der Nabelschnur befreien, die einmal um den Körper gewickelt war. Dann legte sie ihn mir auf die Brust. Eigentlich hätte ich ja Cyrill gerne selber aus dem Wasser gehoben… War das ein Gefühl, nach 9 Monaten Warten und Bangen konnte ich diesen kleinen Kerl endlich in die Arme schliessen. Ich war richtig sprachlos. Cyrill blinzelte, es war ihm eindeutig zu hell. Er muckelte etwas herum, aber schrie nicht. 2 Minuten später durchtrennte sein Vater die Nabelschnur, die bereits auspulsiert war. Die Hautfarbe von Cyrill wurde sehr schnell rosig. Er hatte noch viel Käseschmiere an seinem Körper, die ich durch massierende Bewegungen einrieb. Nach 10 Minuten wurde die Plazenta geboren, sieht ja spannend aus so ein Ding. Sie schien komplett zu sein und es war Zeit das Cyrill geboren wurde, sie war alt und hatte nun ausgedient. Bald bekam Cyrill kühl, so halb im Wasser und halb an der Oberfläche auf meiner Brust. Meine Hebamme wickelte ihn in ein warmes Handtuch und übergab ihn dem Vater. Danach half sie mir aus der Wanne und ich siedelte auf das Sofa über. Ich wurde warm zugedeckt und bekam den kleinen Mann wieder. Bald saugte er auch schon an der Brustwarze rum. Es war völlig friedlich, ich hätte mir die Geburt nicht anderst gewünscht, ich würde es sofort wieder so machen. Es war einfach nur schöööööööööööönnnnn !!!! Kurze Zeit später drückte mir meine Hebamme auf dem rum um die Gebärmutter zu ertasten. Dann sagte sie mir, ich solle etwas husten und zog dabei an der Nabelschnur. Ich hustete, dann gab es einen stechenden Schmerz und flutsch die Plazenta war auch draussen (ich hab im Geburtsprotokoll im nachhinein nachgelesen, dass dies genau 10 Min nach der Geburt war). Mein Mann war auch etwas überrascht, dass meine Hebamme so schnell die Plazenta geboren haben wollte. Sie untersuchte sie auf Vollständigkeit, sie war sich dann aber nicht sicher ob da nicht ein Stückchen fehlte.... mir war da eigentlich egal, ich hatte nur Augen für meinen Sohn. Kurz darauf stieg ich aus dem Pool, Sohnemann war bei Papa das erste Mal, ich legte mich aufs Sofa und nahm den Kleinen wieder um ihn anzulegen. Er saugte kräftig. Einen oberflächlichen Dammriss hatte ich kassiert, er musste aber nicht genäht werden, aber ich spürte ihn noch eine ganze Weile. Dann kam der weniger schöne Teil, meine Gebärmutter zog sich nicht mehr zusammen, sie hatte sich mit Blut gefüllt, was mir dann die Hebamme schwallweise ausdrückte, ich spürte wie sie nervös wurde, sie spritzte mir Oxytocin und massierte meinen Bauch. Auch rief sie ihre Hebammenkollegin an, die dann ein bisschen später auch kam. Es herrschte ziemliche Aufregung. Ich blieb ruhig, aber es war beängstigend soviel Blut zu verlieren. Die Menge war schwer abzuschätzen, aber das war sicherlich min. 1 Liter. Als ich dann später auf die Toilette wollte, konnte ich kaum grade gehen und musste gestützt werden. Der Blutmangel machte sich bemerkbar. Es schnitt mir richtig die Luft ab, ich ging gebückt, so ging es einigermassen. Mit meinem Sohn war übrigens alles okay, seine Daten: 3720 Gramm, 52 cm, KU 35 cm. Meine Blutwerte erholten sich glücklicherweise sehr schnell. Aber ich fühlte mich einige Zeit lang sehr erschöpft. Ich machte mir aber keine grossen Gedanken darüber. Doch das sollte sich dann bei der nächsten Schwangerschaft noch ändern. Und das Spezielle am Ganzen wie wir finden??? Darum auch die ganze Vorgeschichte. Am 18.10.02 haben wir beschlossen zu heiraten und ein Kind zu kriegen. Genau ein Jahr später, am 18.10.03 ist unser Cyrill geboren. Das ist doch einfach wunderbar…….. |