Krankenhaus Geburt von Annika

Dies wird die Geschichte eines kleinen, etwas frechen Mädchens namens Annika. Hoffentlich wird sie dieses Schreiben einmal zum Schmunzeln bringen und vielleicht auch einige Fragen beantworten die ihr im Laufe ihres Lebens begegnen werden.

Angekündigt hatte sich unser kleiner Sonnenschein im Oktober 2000 mit Brustspannen und Almut meinte zu mir das könne nur sein wenn die Regel kommt oder wenn man schwanger ist. Da bin ich ins Grübeln gekommen. Also hab ich mir ein paar Tage später einen Schwangerschaftstest besorgt. Das Ergebnis: es zeigten sich eindeutig 2 Streifen. Im ersten Augenblick saß ich nur baff auf meinem Bett. Habe Carsten eine SMS geschickt, seine Antwort: Zeigt der Test auch ob es ein Junge oder Mädchen wird? Fand ich damals irgendwie lustig. Das war der 09.10.2000.

Am 15.10.2000 hatte ich den ersten Termin beim Frauenarzt, der Ultraschall bestätigte den Test. Da hatte sich doch tatsächlich ein kleiner Mensch eingenistet. Die Freude war groß, aber auch Ängste machten sich breit. Würden wir das alles schaffen? Trotz Wunschkind kamen jetzt die Zweifel. Was wahrscheinlich ganz normal ist in der Situation. Erst mal keinem etwas sagen, solange die kritischen Wochen noch nicht vorbei sind. Ganz schön schwierig.

Dem Wurm schien es blendend zu gehen, mir dagegen, na ja, habe kein Essen in mir behalten. Rein gar nichts ging. Nicht mal Wasser. Resultat: habe in der 17. SSW nur noch 64,1 kg gehabt, Ausgangsgewicht war 69 kg. Wenn ich nicht schwanger gewesen wäre, hätte mir das ganz gut gefallen. Aber ich machte mir Sorgen, wird unser Kleines genug Nährstoffe bekommen?? Wird es das alles durchstehen??  

Durch die Übelkeit sind auch meine Eltern drauf gekommen, Mama hat so das Lachen angefangen und Carsten gefragt: Wie habt ihr denn das angestellt?? Aber gefreut haben die sich auch. Stefan meinte: Werde ich jetzt Onkel?? Ich: jetzt nicht aber im Juni 2001. Der hatte vielleicht gestrahlt.

Als nächstes wurde Carstens Paps eingeweiht. Der freute sich auch. Seine Mutter erst auch, doch da ist der Kontakt abgebrochen. Zuviel ist vorgefallen. November 2000 waren wir in Görlitz, Oma und Opa Fischer besuchen. Mit dem Hintergedanken ihnen schonend beizubringen, das ihr erstes Urenkelchen unterwegs ist. Sie haben es mit Freuden aufgenommen. Auch der Rest der Verwandtschaft.

Nachdem sich die Übelkeit Januar 2001 gelegt hatte ging es mit dem Gewicht ziemlich schnell nach oben. Und der Wurm im Bauch wuchs auch eifrig mit. In der Praxis haben Susi und ich mal einen Ultraschall gemacht und nuckelte das freche Ding nicht an seinem Daumen? Schade das wir es nicht ausdrucken konnten.

Der Bauch wuchs, Tritte wurden heftiger. Carsten spürte sie am Anfang nicht ganz so arg. Eines Morgens legte er seinen Kopf auf den Bauch und das kleine Wesen trat ihn voll ans Ohr. So jetzt hat er es gespürt. Ab da übernahm er das tägliche Massieren des Bauches mit Öl. Unserem Sonnenschein gefiel das sehr gut. Schlafen gelassen hat es mich eigentlich auch ganz anständig. In der Praxis trat es mich öfter, wenn ich mal saß, was ich aber ganz schön fand, denn dann merkte ich ja mein Schatz ist da und es geht ihm gut.

Am 23.04.2001 war mein letzter Arbeitstag. Die Zeit bis zum 04.06.2001 (ET) schien nicht zu vergehen. Die Hitze machte mir langsam zu schaffen. Blieb nur noch in der Wohnung und zum Einkaufen ging ich nur noch früh oder wenn es kühler war. In der Praxis ließ ich mich auch oft blicken. Fast schon aus Langeweile. Und der Bauch wuchs immer noch. Der 04.06.2001 verstrich ohne ein Zeichen einer Wehe. Hm, na ja, dann kommt es halt später. Langsam war mir der Bauch aber genug. Ich wollt einfach nicht  mehr. Kein Wunder.

Am 15.06.2001 war mein letzter Frauenarztbesuch, es wurde in der Frauenklinik Erlangen angerufen, was man tun solle. Es hieß, ab in die Klinik und einleiten. Also sind wir am 16.06.2001 in die Klinik gefahren. Haben den Vorabend noch auf dem Altstadtfest in Herzogenaurach genossen, mit dem Gedanken, am nächsten Tag halten wir unser 1. Kind in den Armen. Was es für ein Geschlecht hatte wussten wir bis zur Geburt nicht, dieser kleine Frechdachs hatte doch immer die Beine zusammengezwickt, wenn Ultraschall gemacht wurde. Überraschung ist eh schöner. Oder doch nicht?? Ich wünschte mir so sehr ein Mädchen. Eigentlich egal, Hauptsache gesund. Die Namen? Jungen: Jan, Mädchen: Annika. Das stand fest.

Der 16.06.2001 war ein nicht besonders warmer Tag. Auch nicht schlecht, dann komm ich nicht so ins Schwitzen. Wir also in Erlangen einen Parkplatz in der Kliniknähe gesucht. Ab Richtung Kreissaal und mal ganz lieb geklingelt. Eine Hebamme öffnete, fragte um was es geht und es ging in einen Untersuchungsraum.  

Dort wurde erst mal gewogen, Urin untersucht, CTG geschrieben, bei jeder Kindsbewegung sollte ich auf ein Knöpfchen am CTG drücken. Der Wicht wollt einfach nicht, hat anscheinend seelenruhig geschlafen. Dann durften wir aufs Zimmer. Carsten hat den Koffer aus dem Auto geholt. Ich sollte mir was bequemes anziehen (entschied mich für mein hellblaues Snoopy-Nachthemd über der grauen Umstandshose von Almut), Schrank schnell eingeräumt, wieder vor in den Untersuchungsraum im Kreissaal. Diesmal war ein Arzt mit dabei, es wurde noch mal ein Ultraschall gemacht. Geschätztes Gewicht: 3300 g. Damit lässt sich’s leben. Anschließend wurde versucht die Geburt einzuleiten, es wurde ein Gel auf den Muttermund aufgetragen. Bisschen unangenehm, aber es musste sein. Ein Blick auf die Uhr, es war 10:30. Ab jetzt sollte alle ½ Stunde ein CTG geschrieben werden.

Wir aufs Zimmer, musste jetzt eh erst mal liegen, damit das Gel nicht gleich wieder abhaut. Als Zeitvertreib haben wir Ferngesehen. Alle ½ Stunde kam eine Hebammenschülerin und schloss mich ans CTG an. Viel war nicht zu sehen. Ein paar ganz kleine Wehen. Kaum spürbar. Zwischendurch wurden sie etwas heftiger, ließen aber wieder nach. Am Muttermund tat sich nichts.

Um 17 Uhr noch mal zur Untersuchung, erneutes Auftragen des Gels auf den Muttermund. Mal schauen ob es diesmal besser wirkt. Jippie es kommen Wehen. Zumindest wird das Ziehen etwas heftiger. Wir sind auf den Flur und Balkon gegangen und haben uns dort gut unterhalten, zwischendurch mal eine Wehe verschnauft. Nicht weiter tragisch. Hatte ständig den Drang aufs Klo zu gehen, bin ich auch so ca. alle 10 Minuten. Gegen 22 Uhr wurden die Wehen schon ziemlich heftig und kamen alle 5 Minuten. Carsten war auf einmal nicht mehr da, er wollte sich nur schnell einen Kaffee holen, traf dabei einen anderen werdenden Papa und hat sich mit ihm unterhalten. Ich saß auf der Bank auf dem Balkon und wusste nicht mehr wie ich die Wehe überstehen soll ohne ihn. Endlich kam er wieder. Autsch die nächste Wehe war da, kaum weg kam schon wieder eine. Hey nicht so schnell. Wir am Kreissaal geklingelt, ab ins Untersuchungszimmer und ans CTG, dieses schlug nicht sehr aus. Ich hatte die verdammten Wehenschmerzen im Rücken, das konnte man am Bauch natürlich nicht messen. Muttermund erst 3 cm auf. Na das kann ja noch dauern. Hebammenschülerin Heidi hat mich aufgemuntert. Hat auch etwas geholfen.

Da es anscheinend noch einige Zeit dauern sollte, wurden wir ins Wehenzimmer gebracht, ein Bad wollt ich nicht haben, darin hab ich mich schon zuhause nicht mehr wohlgefühlt mit Bauch. Auf der Liege hielt ich es auch nicht lange aus. Heidi brachte ein Zäpfchen gegen die krampfartigen Schmerzen. Dazu kamen wir dann gar nicht mehr. Wir sind in den Kreissaal, weil ich was gegen die Schmerzen haben wollte. Beim Untersuchen wurde festgestellt das der Muttermund plötzlich 8 cm offen war. Und das innerhalb von einer ¼ Stunde. Es wurde mir noch mal Blut abgenommen, dabei ein venöser Zugang gelegt, über den ich eine Infusion bekam mit Dolantin. Wirkung gleich Null, kam mir irgendwie benebelt vor, Schmerzen waren die gleichen. Kein Wunder es braucht ja auch etwas länger sich im Kreislauf zu verteilen, hatte keine Chance bei mir zu wirken.

Hebamme Elke hat die Fruchtblase angestochen, da unser Wicht nicht richtig nach unten gerutscht war. Heidi bereitete alles vor, war ganz alleine mit uns, da meinte ich, ich glaub der Kopf kommt. Heidi: Das kann doch noch gar nicht sein. Schaut nach, und es war tatsächlich so. Elke und die Ärztin (Schichtwechsel) wurden geholt und nach 3-4 Presswehen war unsere kleine Annika geboren. Es war 1:46 Uhr am 17.06.2001. Eine Stunde waren wir im Kreissaal. Nicht schlecht für die erste Geburt.

Das sie mal eine Freche wird, hätte uns schon damals auffallen müssen, kaum auf der Welt pinkelt sie die Mama schon an. Carsten durfte die Nabelschnur durchschneiden. Dann wurde sie gebadet, gewogen, gemessen und angezogen. Die kleine Madame brachte 3970 g auf die Waage und war 52 cm groß. Besonderheit: Sternengucker, Sonntagskind. Ich wurde genäht, war ein kleiner Riss. Und anschließend ging es ins Beobachtungszimmer. Dorthin wurde Annika auch gebracht, grad als mir die Augen zufielen. Angelegt sollte sie werden. Erst wollte sie nicht, dann hat sie nicht mehr losgelassen.

Nach überprüfen des Kreislaufes von mir (Puls und Blutdruck) ging es geschafft aber glücklich und zufrieden ins Zimmer. An schlafen war nicht mehr zu denken, dazu war ich viel zu aufgewühlt.

Carsten erledigte die Anrufe und ein paar Stunden später kamen der stolze und überaus müde Papa, Oma, Opa und Onkel zu Besuch. Annika hat noch geschlafen und wurde untersucht, dann kam sie auch um sich mal vorzustellen. Die Freude stand allen ins Gesicht geschrieben. Stefan traute sich nicht sie in den Arm zu nehmen. Sie sah zwar klein und zerbrechlich aus, war und ist es aber nicht im geringsten.