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Krankenhaus Geburten von Enricos Kindern
18 Stunden bei 35 °C im Kreissaal
Achja, es sollte ein ganz normaler Pfingssontag werden, doch wie das Leben
so will kam alles ganz anders. Ich erwachte gegen 8:45 Uhr und bemerkte
wie meine Frau telefonierte. Ziemlich schnell realisierte ich, daß unser
Kind bald kommen würde, denn meine Frau fragte: "Woran erkenne ich einen
Blasensprung?" Blasensprung! Sofort war ich richtig wach. Da es meiner
Frau soweit gut ging verschwand ich schnell im Bad und machte mich ein
wenig frisch. Circa 10 Minuten später hörte ich das Martinshorn und ich
eilte zur Haustür. Da sprang gerade ein Arzt aus dem Rettungswagen heraus
und ich leitete ihn zu meiner Frau. Doch was war das? Schon wieder war ein
Martinshorn zu hören. Diesmal war es der "Storchenwagen" der meine Frau in
das Krankenhaus bringen sollte. Gerade wollte ich zu meiner Frau gehen,
als schon wieder ein "Tatü Tata" ertönte. Es war die Hebamme, die meine
Frau im Storchenwagen begleiten sollte. Nachdem nun auch die Hebamme
meine Frau untersucht hatte, beschloß diese die sofortige Einweisung in´s
Krankenhaus.
Vorsichtig führten wir Sie zum Storchenwagen. Meine Frau lachte sehr, als
diese die drei Rettungswagen mit Blaulicht vor unserer Tür sah. Ich ging
noch einmal zurück um die Tasche für meine Frau zu holen und um unsere
Wohnung abzuschließen. Unsere taubstumme Nachbarin erkundigte sich mit
sehr einfachen Gebärden ob das Kind jetzt kommt. Nie werde ich ihre
strahlenden Augen vergessen als ich ihre Frage mit einem Nicken
bestätigte.
Nun war es also soweit, mit Blaulicht ging es in´s Krankenhaus. Nachdem
meine Frau vorbereitet war begann die lange Zeit des Wartens.
Mittlerweile bemerkte ich, welch großen Hunger ich hatte und beneidete
meine Frau, welche von den Schwestern gelegentlich einen Eiswürfel mit
Zitronengeschmack bekam. Das Thermometer kletterte unaufhaltsam auf 35
°C. Da versagt selbst die beste Klimaanlage. Nachdem ich mit meiner
Frau ein paar Runden über den Gang gelaufen war verzog ich mich erstmal in
die Kantine. Da saß ich nun mit meiner OP-Kleidung und trank meinen ersten
Kaffe zuzüglich einer Flasche Mineralwasser. Danach stellte ich mich in
den Eingangsbereich und rauchte.
Man haben mich die Leute angeschaut. Die Hebammen hatten mir nämlich
nocheinen Chirurgenkittel übergezogen, damit die andere Kleidung
weitgehend steril blieb. Als ich wieder oben war, hieß es wieder
warten, warten, warten. Unser Kind wollte einfach nicht kommen. Stunde um
Stunde verging. Meine Frau war ziemlich erschöpft und ich begann die
Frauen zu bewundern. Kinder bekommen muß wirklich sehr anstrengend
sein. Gegen 1:00 Uhr drehten die Schwestern den Wehentropf dann richtig
auf und gegen 2:30 begann die Geburt. Sorgsam beobachtete ich jeden
Handgriff der Hebamme und die Müdigkeit war spurlos verschwunden. Gleich
würde ich mein Kind im Arm halten.Da störte es mich auch nicht, daß meine
Frau mich noch anschnautzte, weil ich ihr nicht richtig den Rücken
gestützt hatte. Das habe ich erst später richtig realisitert. Um 2:40 Uhr
hörte ich das erste Mal die Stimme meiner Tochter. Sie schrie wie am
Spieß. So klein und zierlich war sie. Es war ein schönes Gefühl und
beinah übermannten mich die Tränen. Später durfte ich mit meiner Tochter
das erste Mal zum Kinderarzt gehen. Ganz vorsichtig trug ich sie durch die
Gänge. Jede Schwester die mich sah fing an zu lachen. Ich muß sie wie ein
rohes Ei gehalten haben. Es war richtig beruhigend als die Ärztin mir
bestätigte, daß meine Tochter ganz gesund war. Nachdem ich meine Frau auf
Station begleitet hatte fuhr ich dann völlig erschöpft und
glücklich wieder nach Hause. Mittlerweile hatten wir es gut 7:00 Uhr am
Morgen. Selbstverständlich schmiß ich noch meine Verwandschaft aus den
Federn, warum sollten die noch schlafen, wenn ich auch noch munter bin? Um
9:00 fiehl ich in´s Bett und schlief den Schlaf der Gerechten. Ich glaube
das habe ich mir redlich verdient.
Mit freundlicher Genehmigung von
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(C) 2000 by
Enrico F. Schüppel - Alle Rechte beim
Autor
Die Geschäftsreise
10 Tage war unser Kind nun schon über dem errechneten Termin und noch
immer deutete sich kein Kommen an. Also flogen mein Chef, ein Kollege und
ich an einem kalten und verschneiten Februartag nach Augsburg zu einem
Geschäftstermin. Meine Frau und ich hatten morgens noch Witze gemacht,
gerade heute wird er kommen, doch da alles normal schien, glaubten wir
beide nicht daran. Warum sollte er ausgerechnet heute kommen.
Es war ein sehr anstrengender Geschäftstermin und ich war froh, als wir
gegen 11:00 Uhr entlich eine Pause einlegen konnten. Als ich vom Rauchen
zurückkam grinste mich mein Chef nur an und fragte, wo ich mein Handy
hätte. Dies hatte ich natürlich wie gewohnt auf meinem Platz liegen
lassen, nur da lag es nicht mehr. Mein Chef hielt es in der Hand und sagte
mir mein Handy habe geklingelt und ich könnte heute nochmals Vater
werden. Wie? Was? Sogleich nahm ich ihm das Handy aus der Hand um meine
Frau anzurufen. Diese war gerade dabei ihre Sachen zusammen zu packen und
der Storchenwagen stand auch schon vor der Tür. Völlig überraschend war
die Fruchtblase geplatzt und die Wehen setzten ein. Ich hörte dies alles
mit sehr gemischten Gefühlen , denn einerseits war dieser Termin sehr
wichtig und auf der anderen Seite, wollte ich gerne bei meiner Frau
sein. Nunja, völlig ratlos schaute ich zu meinem Chef. Dieser hatte
zwischenzeitlich schon mit unserer Sekretärin telefoniert, die mir einen
sofortigen Rückflug versorgen sollte. Die Geburt eines Kindes sei
wichtiger als dieser Termin, so seine Auffassung. Eine Widerrede ließ er
nicht zu. Doch ach, gerade an diesem Wochentag gab es keine
Zwischenflüge. Auch eine sofortige Abfahrt nach München und von dort mit
dem Flugzeug weiter nach Berlin hätte mir gegenüber dem Rückflug nur eine
halbe Stunde verschafft. Also mußte ich wohl oder übel durchhalten Völlig
abwesend nahm ich an den weiteren Gesprächen teil. Endlich, die Sitzung
war vorbei und wir auf dem Weg zum Flughafen. Dort angekommen hatten wir
noch ein wenig Zeit und ich versuchte meine Frau im Krankenhaus zu erreichen.Die Schwestern brachten meiner Frau ein schnurloses Telefon und
wir sprachen miteinander. Es sah alles so aus, als könnte ich mir ruhig
Zeit lassen. Beruhigt passierte ich die Sicherheitszone und nahm mit
meinen beiden Begleitern im Warteraum Platz. Ich saß trotz der
beruhigenden Worte meiner Frau wie auf glühenden Kohlen. Die nächste
Verzögerung sollte nicht lange ausbleiben. Besorgt schaute ich aus den
Fenstern zur Landebahn.
Dichtes Schneetreiben setzte ein. Würden wir heute noch nach Berlin
kommen?
Plötzlich rutschte mir das Herz in die Hose, denn es wurde uns
mitgeteilt,daß sich der Abflug um 30 Minuten verzögern wird, da die
Landebahn noch geräumt werden müsse. Immer dichter wurde der
Schneevorhang und ich glaubte nicht mehr an die 30 Minuten. Würden wir
heute überhaupt noch zurückkommen ? Es war eine schreckliche Zeit für
mich. Wie gern wäre ich doch jetzt schon in Berlin gewesen.
Mit etwas über der angekündigten Verzögerung ging es dann doch noch
zurück.
Ich nahm den angebotenen Imbiß gerne ein, denn ich erwartete eine lange
Nacht. Meine Gedanken kreisten um meine Frau und das Baby. Ich begann für
die Beiden zu beten. Ich fühlte mich einfach dem lieben Gott so nah. Es
war ein eigenartiges Gefühl, ich sitze hier oben und irgendwo da unten
kommt bald mein Kind zur Welt. Im Landeanflug auf Berlin Tempelhof hielt
ich nach dem Krankenhaus Ausschau. 20:00 Uhr "Lady´s and Gentlemen,
welcome to Berlin!"; diese Worte waren die Erlösung für mich. Nun hielt
mich nichts mehr auf meinem Platz. "Mein Gott, warum geht das denn nicht
schneller ?"dachte ich so bei mir, als ich im Gang stand und die Leute vor
mir die Maschine verließen.
Da stand ich nun auf dem Vorfeld und wartete auf meine beiden
Begleiter. Im Licht der riesigen Flutlichtanlagen tantzten sanft die
Schneeflocken. Plötzlich wurde mir so seltsam zumute. Völlig
selbstvergessen sagte ich zu meinem Chef "Schau mal, das sieht aus, als
würden die Engel Konfetti streuen und sich freuen !". Er lächelte und
fand diesen Anblick ebenso phantastisch wie ich. "Und Du bleibst morgen zu
Hause! Sollte ich Dich in der Firma sehen wirst Du fristlos
entlassen! Deine Frau braucht Dich mehr!", sagte er beim Abschied zu
mir. Etwas perplex eilte ich nun zur S-Bahn. Genau 20:44 Uhr stand ich an
der Tür zum Kreissaal. Die Hebamme öffnete. Ich stellte mich vor und
fragte ob ich noch rechtzeitig käme. Sie lachte und eröffnete mir, daß ich
leider zu spät gekommen bin. Um genau 20:00 Uhr war mein Sohn zur Welt
gekommen. Umziehen mußte ich mich nun nicht mehr. Da stand ich nun im
Anzug und Krawatte und sah meinen Sohn, der mich mit großen Augen vom
Bauch meiner Frau ansah. So klein und nackt ! Ich war überwältigt und
enttäuscht zu gleich. Wie gerne wäre ich dabei gewesen und natürlich
dachte ich auch an den Flockentanz. Sollte es wirklich ein Zeichen für
mich gewesen sein ?
Mit freundlicher Genehmigung von
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Enrico F. Schüppel - Alle Rechte beim Autor
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